Der Fund

Der Staffordshire Hoard (dt: Der Schatz von Staffordshire) ist der größte Depotfund von angelsächsischem Gold- und Silber-Metallwerk, der jemals auf der ganzen Welt gefunden wurde.

Am 5. Juli 2009 entdeckte ein Sondengänger aus Hammerwich, einem Dorf nahe Lichfield, England, durch Zufall die ersten Bestandteile des Schatzes, der in einem der Felder eines befreundeten Bauern vergraben lag. Schon kurz nach der Entdeckung der ersten Gold- und Silberwerke wurde jedoch klar, dass es sich hierbei nicht um einen gewöhnlichen Fund handelte.

Der Staffordshire Hoard besteht aus mehr als 3.500 Gegenständen, die fast alle einen kriegerischen Hintergrund aufweisen. Insgesamt beläuft sich die Größe des Fundes auf 5.094 kg Gold, 1.442 kg Silber und 3.500 Almandine, die die Metallwerke verzieren. Sowohl Größe als auch Inhalt des Schatzes sind in ganz Europa einzigartig und in diesen Dimensionen nirgendwo sonst zu finden.

Nicht nur die Tatsache, dass der Staffordshire Hoard fast ausschließlich Gegenstände aus der Kriegswelt beinhaltet, ist bemerkenswert. Auch die außergewöhnlich große Anzahl von Aufsätzen für Schwertknäufe (Hefte) und Griffplatten, die an Schwertern zum Schutz der Hand angebracht waren, ist von großer Bedeutung für Historiker und Wissenschaftler. Viele der Aufsätze und Griffplatten zeichnen sich durch filigran gearbeitete Abbildungen von Tieren und Verzierungen mit Almandin aus.
Der Ursprung der Gegenstände wurde vorläufig auf den Zeitraum zwischen dem 7. und 8. Jahrhundert datiert; somit wird der Schatz der Zeit des Königreichs Mercia zugeordnet – eine Epoche, über die uns bislang nur sehr wenige Quellen Aufschluss geben konnten.

Mit der Entdeckung des Staffordshire Hoard wurde ein Programm zur Erforschung und Erhaltung des Schatzes gestartet, das von führenden und namhaften Experten dieser Forschungsfelder geleitet und noch viele Jahre andauern wird.

Was wir wissen:

Bislang können Experten nur Vermutungen anstellen, warum der Schatz an genau diesem Ort in der Nähe von Lichfield vergraben wurde und ob es Christen oder Heiden waren, die ihn hinterlassen haben. Jeder Tag bringt neue Erkenntnisse rund um den Staffordshire Hoard ans Licht – hier die Dinge und Fakten, die wir bisher sicher wissen:

Der Schatz wurde ganz in der Nähe der Watling Street gefunden. Diese war zu den Zeiten des von den Römern besetzten Großbritanniens eine der Hauptverkehrsstraßen und wurde vermutlich noch immer benutzt als der Schatz vergraben wurde.

Die Qualität der Verarbeitung und Kunstfertigkeit ist im Durchschnitt außerordentlich hoch; besonders an den individuell gefertigten Einzelstücken – allen voran Helme und Schwerter – ist dies gut zu erkennen.

Der Staffordshire Hoard setzt sich hauptsächlich aus militärischen Gegenständen zusammen, zu denen auch die Aufsätze für Schwertknäufe, sogenannte Hefte (engl.: pommel caps), zählen. Hefte wurden am Ende des Schwertgriffs angebracht und verankerten die Klinge im Schwertgriff. Bislang wurden solche Aufsätze nur vereinzelt gefunden, weshalb sie generell als sehr seltene und wertvolle archäologische Funde gelten. In einer Ausgrabung gleich 97 Hefte für Schwertgriffe zu finden stellt daher einen noch nie dagewesenen Glücksfall in der Geschichte der frühmittelalterlichen Ausgrabungen Englands dar.

Der archäologische Fund, der die größten Ähnlichkeiten mit dem Staffordshire Hoard aufweist, ist Sutton Hoo. Das eindrucksvolle Grab eines Königs oder Prinzen wurde 1939 entdeckt und freigelegt. Unter einem großen Erdhügel verbarg sich ein gut 27 Meter langes, aus Holz gefertigtes Schiff, in dem sich eine Begräbniskammer befand. In dieser Kammer fanden Forscher die Überreste von wertvollen Textilien und Webstoffen und den Besitz des Verstorbenen, unter anderem prächtige Waffengarnituren aus Gold und Almandin und ein prunkvoll verzierter Helm.

Eine wissenschaftliche Analyse zur Bestimmung der Herkunft der roten Edelsteine des Staffordshire Hoard wird gerade durchgeführt. Jedoch vermuten Wissenschaftler, dass sie möglicherweise von weit entfernten Orten, wie Indien oder Sri Lanka, nach England gebracht wurden.

Im Schatz verteilt finden sich Stückchen von Silberfolie, von denen Forscher glauben, dass sie von einem oder mehreren Helmen stammen.

Auch sehen Wissenschaftler in dem Fund ein “wahres archäologisches Spiegelbild” des epischen Heldengedichts Beowulf, das im selben Zeitraum wie der Staffordshire Hoard entstanden ist.

Auf einem der Gegenstände des Schatzes findet sich eine biblische Inschrift, die in Latein eingraviert wurde und an zwei Stellen Rechtschreibfehler aufweist. Die englische Übersetzung lautet:
“Rise up, O Lord, and may they enemies be dispersed and those who hate thee be driven from thy face.” (Herr, steh auf! Lass deine Feinde zerstreut werden und alle, die dich hassen, flüchtig werden vor dir! – Viertes Buch Mose, 10:35).

Sie möchten mehr erfahren?

In dem rechts befindlichen Menü können Sie nun weitere Unterpunkte auswählen, um in englischer Sprache mehr über den Staffordshire Hoard, seine Entdeckung und die aktuellen Untersuchungen und Fortschritte zu erfahren.